Login: 
Über die Studie

Das lokoregionäre Prostatakarzinom (PCA) wird vielfach nach D‘Amico et al. (1998) in niedriges (PSA ≤ 10 ng/mL und Gleason-Score ≤ 6 und cT-Kategorie 1c oder 2a), intermediäres (PSA > 10 und < 20 ng/mL oder Gleason-Score 7 oder cT-Kategorie 2b) und hohes Risiko (PSA > 20 ng/mL oder Gleason-Score 8-10 oder cT-Kategorie 2c) eingeteilt. Therapeutisch werden heutzutage im Wesentlichen vier Strategien verfolgt:

  • Radikale Prostatektomie-RP
  • Perkutane Strahlentherapie-RT
  • Permanente Seed Implantation-PSI (Brachytherapie)
  • Active Surveillance-AS

Die prognostisch günstigen Subgruppen mit niedrigem und auch frühe Stadien des intermediären Risikos (im vorliegenden Protokoll durchgehend bezeichnet als "frühes intermediäres Risiko" bei Gleason-Score 7a (3+4) und ansonsten gleichen Faktoren wie beim niedrigen Risiko [PSA ≤ 10 ng/mL und Gleason-Score ≤ 6 und cT-Kategorie 1c oder 2a]) sind hinsichtlich ihrer optimalen Behandlung noch unzureichend erforscht. Es ist vor allem unklar, von welcher der in Frage kommenden Behandlungsoptionen der Patient unter Berücksichtigung der Nebenwirkungen und Komplikationen am meisten profitiert. Hinzu kommt, dass die deutlich verbesserten Diagnoseverfahren und die Einführung des Prostata-spezifischen Antigens (PSA) als Screeninginstrument zu einer Stadienmigration hin zu diesen frühen Tumorstadien geführt haben. Diese sind nach neueren Erkenntnissen prognostisch sehr heterogen und verlangen nach einer differenzierten Therapie, die von einem Verzicht auf eine sofortige Behandlung bis zur sofortigen kurativen Therapie und ggf. adjuvanten Behandlung reichen kann.

Es wird angenommen, dass mit allen vier Strategien eine vergleichbare therapeutische Effektivität erreicht wird. Diese Annahme, die die primäre Arbeitshypothese des gesamten Projekts ausmacht, soll durch konfirmatorische statistische Analysen bestätigt werden. Andererseits sind Unterschiede hinsichtlich der Therapienebenwirkungen und der Lebensqualität der Patienten zu erwarten. Im vorliegenden Projekt sollen daher die vier Strategien randomisiert verglichen werden. Eine Studie, in der für jeden Patienten eine der vier Therapiemodalitäten zufällig ausgewählt wird, ist aufgrund bestehender Präferenzen schwer durchzuführen. Diesen Präferenzen soll Rechnung getragen werden, indem innerhalb des randomisierten Designs bis zu zwei Strategien abgelehnt werden können. Somit sind 11 randomisierte Teilstudien mit jeweils zwei bis vier Armen möglich. Die präferenzsensitive standardisierte Aufklärung der Patienten wird durch ein Informations- und Aufklärungsvideo sowie durch Schulungen der aufklärenden Ärzte gewährleistet.

Aufgrund der einheitlichen Ein- und Ausschlusskriterien und der Auswertungsstrategie werden alle Arme gemeinsam ausgewertet werden können. Um möglichst vergleichbare Eingangskriterien zu erhalten, werden alle Stanzbiopsien (entsprechend der S3-Leitlinie mindestens 10) durch ein Panel von Referenzpathologen begutachtet.

Es erfolgt eine studienbegleitende stichprobenartige Qualitätssicherung der Studientherapien (der Bestrahlungsplanung bei RT und PSI und Überprüfung der Schnittränder nach RP sowie der PCA-Biopsate – minimal 10 Biopsien). Die Qualität der durch die Prüfzentren erhobenen Daten wird durch ein GCP-konformes Monitoring und Audits gewährleistet.

Die administrative Vorbereitung der Prüfzentren hat im Januar 2013 begonnen. Die ersten Zentren konnten ab April 2014 geöffnet werden. Seit Frühsommer 2014 sind 100 Prüfzentren bereit zu rekrutieren. Studienleiter sind Prof. Dr. Michael Stöckle, Urolog. Univ. Klinik Homburg (Vertreter Prof. Dr. Peter Albers, Urolog. Univ. Klinik Düsseldorf) und Prof. Dr. Thomas Wiegel, Klinik für Strahlentherapie und Radioonkologie der Universität Ulm (Vertreter: Prof. Dr. Heinz Schmidberger, Klinik für Radioonkologie und Strahlentherapie der Universität Mainz).